Tourismusprojekt
1. Entstehungsgeschichte:
Um die Zukunftschancen der Jugendlichen zu verbessern, entstand der Gedanke, einen dritten Ausbildungszweig anzubieten. Deshalb hatte „Manda“ 2007 begonnen, mit dem Office Régional de Tourisme d’Antananarivo und dem „Office National de Tourisme“ zusammenzuarbeiten, um 14 ausgewählte Jugendliche ab dem 3. September 2007 während einem Zeitraum von zwei Jahren zu alternativen Stadtführern von Antananarivo auszubilden.
Finanzielle Unterstützung für ihr Vorhaben erhielt „Manda“ hierbei von „Zaza Faly“, der deutschen Botschaft in Antananarivo, dem deutschen Kindermissionswerk „ Die Sternsinger“ in Aachen sowie der „Ehrmann- Stiftung“ aus der Schweiz.
2. Ziele und Ausbildungsinhalte:
Ziel war es, dass die Jugendlichen selbst von ihren eigenen speziellen Kenntnissen profitieren, denn Straßenkinder kennen „ihre Stadt“ mit all ihren Facetten und Geschichten besser als die meisten anderen Bewohner von Antananarivo.
Die Stadtführer sollen diejenigen Touristen ansprechen, die nicht ausschließlich nur an der historischen Geschichte, der Kunst und traditionellen Kultur der Stadt interessiert sind, sondern vor allem am wirklichen Leben und der sozialen Situation ihrer Bewohner. Diese Art von Tourismus existiert in Madagaskar bisher noch nicht.
Durch das geplante Projekt soll das touristische Angebot von Antananarivo um einen sozialen Bestandteil vergrößert und die Aufmerksamkeit der Touristen auf die soziale Infrastruktur der Stadt gelenkt.
Die Ausbildungsinhalte waren von Beginn an weit gefächert. Sie reichten von theoretischen Grundlagenwissen im Bereich Tourismus, über Kommunikation, Sozialwissenschaften bis hin zu Sprachunterricht in französisch und deutsch sowie Tourenplanung und deren praktischer Umsetzung.
In den letzten Monaten der Ausbildung lag der Hauptschwerpunkt vor allem in der konkreten Planung und Durchführung von Führungen und Ausflügen. Einerseits, um den Jugendlichen sehenswerte Plätze und Projekte in und um Tana nahe zu bringen. Andererseits wurden konkrete Touristenführungen absolviert. Hierbei waren die Jugendlichen für die Umsetzung weitgehend selbst verantwortlich.
So haben die Jugendlichen z.B. eine Führung nach Ambohidratrimo, 15 Kilometer entfernt von Tana, organisiert. Dort haben sie eine Schule, ein soziales Projekt für Waisenkinder und den Rova („Königspalast“) besucht.
Besonderer Schwerpunkt in den kommenden Monaten liegt nun in der Erstellung von so genannten „Solidar Tours“. Das heißt, dass jede Tour neben den Besuchen von historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten in und um Tana auch Besuche von sozialen Projekten enthalten soll. Diese Art der Tourismusführung existiert bisher auf Madagaskar noch nicht und soll besonders sozial engagierte und für die sozialen Probleme der Insel interessierte Menschen ansprechen,
3. Ausbildungsergebnisse:
Vom 26.10. bis zum 30.10.2009 fanden die Abschlussprüfungen der Jugendlichen statt. Von Januar bis März 2010 absolvieren sie bei verschiedenen Reiseveranstaltern ein Praktikum.
In Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation „Hope International“, die den Jugendlichen u.a. beibrachte, wie man einen Lebenslauf/ Motivationsschreiben verfasst, wird aktuell nach Arbeitsplätzen gesucht.
Darüber hinaus wurde darüber nachgedacht, das Projekt mit einem Teil der Jugendlichen und Ausbilder im kommenden Jahr in eine neue Organisationsform umzuwandeln und evtl. eine eigene NRO zu gründen. Diese sollte dann eigene organisierte Touren durchführen und den Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihre während der Ausbildung erlernten Fähigkeiten anzuwenden und über den erwirtschafteten Gewinn ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Nachdem die 15 Jugendlichen im Dezember 2009 ihre Zertifikate erhalten hatten, haben sie letztlich verschiedene Wege eingeschlagen. Drei Jugendliche haben eine feste Arbeitsstelle bei madagassischen Reiseagenturen gefunden. Eine Jugendliche arbeitet nun als Frisörin, nachdem sie bei einem Praktikum in einem Hotel als gute Arbeitskraft überzeugt hat. Drei arbeiten zusammen mit ihren Familien als Verkäufer. Für die restlichen 8 Jugendlichen hat „Manda“ drei kleine, neue Projekte ins Leben gerufen. Im Folgenden werden sie beschrieben.
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4. Nachfolgeprojekte "Tourismus-Ausbildung"
TFF- Projekte (Tanora Tia fandrosoana, mad. für: „Jugendliche, die sich für die Entwicklung einsetzen“)
Die drei Kleinprojekte des Bereichs „Tourismus“ sind quasi „Brückenprojekte“ für die Abgänger der Tourismusausbildung. Die Anschlussprojekte haben das Ziel, dass sie weiterhin in einem Projekt gehalten werden, in dem sie praktische Erfahrungen im Dienstleistungssektor sammeln können und ihr während der Ausbildung erlerntes Wissen direkt anwenden können. Die Projekte selbst sollen sich selbst finanzieren und von der finanziellen Hilfe von „ Manda“ weitestgehend unabhängig sein. Ziel ist darüber hinaus die Gründung einer eigenen Nichtregierungsorganisation „TFF“.
a.) Projekt „Rova“
Das Projekt „Rova“ - platziert neben einer der touristischen Hauptattraktionen von Tana - dem „Rova“ (Königinnenpalast) - wurde im Juni 2010 eröffnet und ist ein Verkaufsstand für hauptsächlich in den Ausbildungsprojekten gefertigte Produkte („Vony“, „CanCars“, „Felana“). In diesem Projekt arbeiten zwei Tourismus- Abgängerinnen.
Es ist davon auszugehen, dass Touristen die Hauptzielgruppe sein werden. Hier können die Jugendlichen ihr in der Tourismusausbildung erlerntes Wissen gezielt einbringen.
Des Weiteren ist das Projekt eine Art Schnittstelle zwischen den einzelnen Ausbildungsprojekten von „Manda“. Die Kette ist somit sinnvoll aufgebaut, da für die Jugendlichen ein weiterer Anreiz gegeben wird, ihre Fähigkeiten umzusetzen, da sie sehen, dass ihre Produkte einen Eigenwert haben und ihnen ihre Ausbildung auch im realen Leben eine Zukunft gibt.
b.) Multi-Service
Der Multi-Service, eine Art Druckerei-/Photokopiershop, wurde ebenfalls im Juni 2010 eröffnet. An diesem Projekt nehmen drei Jugendliche teil, die 2009 ihre Tourismus- Ausbildung abgeschlossen haben.
Im Multi-Service werden verschiedene Dienstleistungen und Produkte angeboten. So kann man im „TTF-Multiservice“ kopieren, drucken, binden lassen, CDs brennen, Papier einschweißen etc. Zudem gibt es Büromaterialien zu kaufen.
Der Start ist bisher erfreulich verlaufen. Jeden Tag gibt es 5-10 Kunden. Der Multi-Service profitiert hierbei vor allem durch seine Lage zwischen drei Schulen. Zudem gibt auch „Manda“ regelmäßig die Druckaufträge.
Für den Multi-Service wurden Geräte wie ein Drucker, eine Schneidemaschine, Patronen, Tinte etc. gekauft. Zudem wurde das Gebäude gestrichen und repariert. Des Weiteren erhielten die Jugendlichen eine Ausbildung eines Informatikers, um den Umgang mit den Geräten zu vertiefen.
c.) Randonnée- Projekt
Das TTF-Randonnée- Projekt ist der direkteste Übergang für 3 Tourismus- Absolventen ins praktische Leben. Hierbei sollen sie vor allem Touristenführer sein. Zudem erlernen die Jugendlichen das Organisieren von Touren unter Wettbewerbsbedingungen. Alle Jugendlichen erhielten von Jan Brunner (ehrenamtl. dt. Mitarbeiter) zudem eine Fortbildung zur Buchhaltung, Kassenführung und einen Ökonomiekurs zu Themen wie Werbung und Budgetverwaltung.
Für das Projekt wurden verschiedene Touristen-Routen, in Kooperation mit ihrem ehemaligen Lehrer, festgelegt. Diese „Circuits“ sind teilweise zu Fuß, aber auch mit dem Fahrrad möglich.
Am 26.Juni 2010, dem 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Madagaskars, organisierten die Jugendlichen z.B. einen Ausflug nach Manadriana. Dort findet jährlich ein traditioneller Stierkampf statt. Für diesen Programmpunkt wurden eine Wanderung in den Hügeln von Manandriana zu einer Grotte und eine Zirkusvorführung (der Zirkusjugendlichen) bei gemeinsamen Grillen geboten.
Es wurde Werbung lanciert, vor allem in den Kulturzentren, bei anderen NRO, in Hotels, in Schulen etc. sowie Texte für Touristenführer erstellt. 17 Touristen waren anwesend und waren sehr zufrieden mit der Fahrt und vor allem mit dem höflichen Verhalten der Jugendlichen.
Die zweite Tour ging nach Ambatomanga. Hier konnte der Erfolg der ersten Tour eindrucksvoll bestätigt werden: 15 Teilnehmer waren mit von der Partie. Das Schöne daran war, dass auch 7 Madagassen dabei waren. Die Tour an sich kam wieder sehr gut an. Die Stimmung war prächtig. Es standen hierbei eine längere Wanderung durch die Landschaft rund um dieses Örtchen statt, auf dessen Weg das „Artisanat Malagasy“ (mad. Kunsthandwerk) bewundern werden konnten: Eine Käserei, eine Weberei und ein Messerschmied wurden besucht.
Eine dritte Tour wurde am 21.8. durchgeführt. Diese führte zum Königspalast von Antongona mit seiner fantastischen Aussicht ins Tal auf mehr als 1500 Metern Höhe. 22 Touristen haben daran teilgenommen.
Für den 31.10./1.11.2010 ist eine weitere Tour in Planung.
Insgesamt kann konstatiert werden, dass diese Art der Ausbildung Früchte trägt, da die Arbeitsweise und Motivation der Jugendlichen mit jeder Tour bisher zunahm und die Touristen bisher immer sehr zufrieden waren, sodass die Jugendlichen Erfolgserlebnisse erfahren.
Hervorgehoben werden soll an dieser Stelle auch ein sehr angenehmer Nebeneffekt der Touren. So konnten zum einen Kontakte geknüpft oder vertieft werden. Zudem wurde ein Artikel über TTF und „Manda“ über den Journalistenverteiler, den „Manda“ netterweise von einem deutschen Journalisten vor Ort bekam, verschickt. Das Ergebnis war überwältigend; Der Artikel wurde mindestens in drei großen madagassischen Zeitungen, auf mehreren Internetseiten und in einer Zeitung von La Réunion abgedruckt. Zudem wurde ein Radiointerview von „Radio Nationale de Madagascar“ mit einem der Jugendlichen geführt. Ein Zweites ist in Planung.
Die drei beschriebenen Nachfolgeprojekte der Tourismusausbildung stellen eine völlig neue Qualität in der Projektarbeit dar, da „Manda“ das erste Mal in der Lage ist, nach einer projektinternen Ausbildung selbst Arbeitsplätze zu schaffen. Arbeitsplätze, von denen wir hoffen, dass sie so nachhaltig sein werden, dass die Jugendlichen von ihrem verdienten Geld auch ihren Lebensunterhalt bestreiten können. |