Straßenkinder in Madagaskar
Madagaskar zählt laut Unicef- Statistik (Stand Juli 2010) zu den 3 ärmsten Ländern dieser Erde und leidet u.a. an den Spätfolgen der Kolonialzeit. Die steigende Breitenarmut, die ökonomische und ökologische Zerstörung sowie das rasante Bevölkerungswachstum begünstigen den Verfall traditioneller Strukturen - eine große Landflucht hat eingesetzt.
In den großen Städten bringt die Verelendung großer Bevölkerungsschichten viele Familien zum Zusammenbruch. Die Zerrüttung und der Wertewandel in der Stadtfamilie führen oft zur Verwahrlosung der Kinder, welche nun Halt und Liebe bei Gleichaltrigen auf der Straße suchen.
Zunehmende Gewalt und ständiger Hunger treibt die Kinder, nach anfänglichem Pendeln zwischen Familie und Straße, schließlich endgültig zum Straßenleben. Sie organisieren sich zumeist in kleinen Gruppen innerhalb eines fest abgesteckten Reviers, welches hartnäckig verteidigt wird.
Durch Bettelei, sammeln und sortieren von Müll, kleinen Diebstählen und niedrigste Lohnarbeiten versuchen die Kinder zu überleben. Es mangelt ihnen oft an emotionalen, geistigen und seelischen Kontakten zu Erwachsenen. Der einzige soziale Halt ist die Gruppe, in welcher eine fließende Hierarchie zwischen Gewalt und Solidarität herrscht.
Die Kinder haben kaum Besitz, wie eigene Kleidung und schlafen an ständig wechselnden Plätzen unter freiem Himmel. Man findet sie in Pappkartons, Erdlöchern, vor Toreinfahrten u.ä. - in den bis zu null Grad kalten Nächten, notdürftig von Folienresten bedeckt. Die Straßenkinder leiden durch die mangelnde Hygiene oft an Krankheiten, wie z.B. Krätze, TBC, Malaria, Bronchitis sowie an Wurm- und Parasitenbefall.
Die Lebensweise, die optische Erscheinung und die Situation der Kinder werden von der Gesellschaft kaum toleriert. Sie gelten als arbeitsscheu, kriminell und verdorben, seien vor allem selbst Schuld an ihrem eigenen Schicksal.
Je länger diese menschenunwürdige Lebensphase anhält, desto mehr verlieren die Kinder den Bezug zu gesellschaftlichen Normen, ihre Psyche verändert sich, die Kriminalitätsrate steigt und der Drogenkonsum nimmt zu. |