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Newsletter 12.2006

Liebe Spender/innen und Freunde/innen von Zaza Faly,

in den letzten Wochen ist einiges passiert.

Unser Vorstandsmitglieder Heiko Jungnitz sowie Sara Mieth waren vom 22.08. bis 19.09. auf Madagaskar und führten dort die Projektevaluation/kontrolle durch.

Beide konnten sich so einen guten Überblick über die aktuelle Projektarbeit machen sowie deren Entwicklungen in den letzten Monaten und Jahren.

Am augenscheinlichsten war die zunehmende Professionalisierung der Projektführung und der Teamgeist innerhalb der Mitarbeiterschaft. Wir hatten den Eindruck, dass hier Menschen am Werk sind, die ihre Arbeit nicht nur als blosen Lohnerwerb verstehen, sondern auch mit dem Herzen beider Sache sind.

So gab es kurz vor unserer Abreise nach Tana die Mitteilung, dass einer unserer Projektlehrer gekündigt hatte. Als wir vor Ort ankamen war bereits Ersatz gefunden. So gab es eine projektinterne Lösung, indem Ratina (bis dahin 6 Jahre lang als Wächter angestellt), diese Funktion übernahm.
Was für Aussenstehende vielleicht etwas eigenartig anmuten mag - ein wächter unterrichtet plötzlich - erscheint für uns als eine logische lösung. denn man muss wissen, dass ratina nie nur wächter war. er hat von anfang an versucht, über seine eigene tätigkeit hinaus, mit den kindern zusammen zu arbeiten. so hat er mit ihnen regelmäßige sportaktivitäten durchgeführt, oder im nachmittagsprogramm seit jahren mit einer reihe von projektjungen bastelarbeiten aus rafiabast hergestellt.
dass er nun den unterricht für die alphabetisierung übernimmt (natürlich nach mehreren zusatzfortbildungen im vorfeld) stellt für alle beteiligten eine bereicherung dar. Und wer sieht, wie er mit den Kindern umgeht und ihn im gespräch erlebt, wie er von seiner arbeit berichtet, der weiss, dass da jemand glücklich ist.

Dies soll nur ein beispiel sein für die vorherrschende Stimmung im Projekt. Sie ist fast durchweg positiv und das hat uns beide selbst überrascht.

darüber hinaus hat sich im Projekt einiges verändert, was wir ja in unseren Rundbriefen auch immer versuchen deutlich zu machen.

Mittlerweile gibt es in der Sozialstation 5 schulklassen (1 Vorschul-, 2 Alphabetisierungs- und 2 ASAMA-klassen). Das hat zur positiven Folge, dass das Projekt mehr als gut besucht wird (ca. 70 Kinder pro Tag). Vor 1, 2 Jahren waren es noch 40-50 Kinder.
An den ASAMA klassen nehmen 25 Kinder der Sozialstation teil sowie alle Jugendlichen der Ausbildungsprojekte (die Ausildungen wurden daher um 1 Jahr auf 3 Jahre verlängert). ASAMA dauert 1 Jahr, wird tlw. von PNUD finanziert (eine Unterorg. der UNO) und endet mit dem 1. staatlich anerkannten Schuldiplom. Im August fanden die ersten Prüfungen statt und 66 % haben diese bestanden. Ein Riesenerfolg für das Projekt, wenn man bedenkt, dass das Kinder 5 mal die Woche 8 Std. Unterricht wahrnehmen und nachts auf der Strasse schlafen.
Die nicht bestanden haben wiederholen das Jahr nochmals. Die beiden Klassen wurden nun abermals mit neuen Kindern der Sozialstation aufgefüllt, da die Absolventen des ersten Durchgangs nun staatliche Schulen besuchen.
Die Absolventen der Ausildungsprojekte beginnen nun mit dem prakt. Teil ihrer Ausbildung.

Darüberhinaus gibt es eine Reihe Extrakleinprojekte.

So wurden in den letzten 12 Monaten 72 Kinder eingeschult. 30 weitere stehen noch in diesem Jahr an.

Von den 72 Kindern haben ca. 70% die Versetzung geschafft. Die anderen wiederholen ihre Klasse nochmals. Ein großer Erfolg für das Projekt und vor allem für die KInder.

Einhergehend mit den Einschulungen werden Familienhilfen angeboten, da vor den Einschulungen intensive Gespräche mit Familie und Angehörigen geführt werden müssen, da diese Kinder ja nicht mehr auf der Strasse leben sollen.
So gibt Zaza Faly / Manda Kleinkredite für Renovierungen kleiner Wohnunterkünfte, Mietzuschüsse sowie übernimmt Kosten für Schulgelder- materialien - kleidung, Essen, Kosten für Geburtsurkunden oder Medikamente (2- max. bis 10 euro pro monat).
Einmal pro Woche findet dann ein direktes Gespräch mit den Familien und der Sozialarbeiterin der Sozialstation statt.

Neben den beiden eigenen Ausbildungsprojekte werden auch externe Ausbildungsmöglichkeiten gesucht.

So gibt es derzeit 3 Projektjungen, die im Ausbildungsprojekt DON BOSCO eine umfassenden dreijährige Ausbildung absolvieren.

1 Junge absolviert eine Ausbildung bei der deutsch-madagassische Firma SOLTEC als Metallarbeiter.

2 Jungen lernen Automechanik.

1 Junge lernt Informatik.

3 Jungen machen eine Ausbildung im Blechautobau, finanziert vom ehem. Projektgründer Uwe Marschall, der ein eigenes Fairhandelsprojekt "Mahafaly", gegründet hat.

Sie sehen, dass Projekt lebt und entwickelt sich immer weiter.

Was wir bereits lange disskutiert haben, werden die Verantwortlichen vor Ort nun versuchen in die Wege zu leiten. Nämlich einen Umzug des Projektes auf ein größeres Gelände, da das aktuelle einfach zu klein geworden ist gemessen am Andrang der Kinder.
Dahingehend haben Sara und Heiko verschiedene Gespräche bzgl. evtl. Kofinanzierungen vor Ort geführt. So gibt es evtl. Möglichkeiten über die dt. und franz. Botschaft sowie der Western Union Bank Finanzanträge zu stellen. Dies wird sicher notwendig sein, da Zaza Fly allein diese Aufgaben nicht wird stemmen können.

Darüberhinaus gab es auch Gespräche über ein neues Teilprojekt, was auch schon länger in der Disskusion steht - nämlich die Einrichtung einer Übernachtungsunterkunft für Strassenkinder in Reviernähe der Kinder. Auch hier wird es einen Finanzbedarf geben, den wir gern mit externen Mitteln decken wollen.


Sie sehen, es mangelt uns nicht an Ideen und Projekten. Doch wissen wir auch, dass die madagassichen Mühlen langsamer mahlen als uns manchmal lieb ist. Aber die vielen Gespräche und die Aussicht auf finanzielle Mittel, die sie in Eigeneinitiative vor Ort erwirtschaften können, haben auch die madagassischen Mitarbeiter/innen animiert, nun wirklich aktiv zu werden.

So sind wir auf die nächsten Entwichklungen in den Projekten gespannt. Sara und Heiko konnten nur wichtige erste Anstöße geben. Dies definiert unsere Rolle. Die konkrete Arbeit muss vor Ort durchgeführt werden. Und mit dieser Art der Kooperation - welche die Verantwortung teilt oder ganz abgibt in die Hände der mad. Projektverantwortlichen - sind wir in den zurückliegenden 7 Jahren sehr gut gefahren.


Soviel von uns über die ersten konkreteren Ergebnisse der Projektevaluation.

Im Dezember wird der neue Rundbrief erscheinen mit evtl. noch konkreteren Informationen.


Wir wünsche Ihnen allen noch einen goldenen Herbst. Bleiben Sie uns treu.

Mit freundlichen Grüßen, Heiko Jungnitz (Vorstandsvorsitzender)



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